Kommunikation-Schaffende und
Buchhändlerin

Im Winter1982 habe ich zum ersten Mal in einer Buchhandlung gearbeitet.
MontanusAktuell in der Hauptwache B-Ebene in Frankfurt am Main.
Manche Menschen mögen es noch kennen. Böse Zungen behaupteten damals schon, die Namensgebung der Firma sollte eher „Montanus unaktuell“ lauten.
Für mich war es eine neue Welt.
Heiße Zeit, die 80er Jahre. Der Einstieg dort in den Buchhandel und das belebende Zusammensein mit Anderen wirkte inspirierend auf mich.
In Stapeln waren dort die Titel von Theweleit´s „Männerphantasien“, „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende u.v.m.. S.Fischer, Rowohlt,Ullstein,Droemer nahmen Frauen-Reihen in ihr Verlagsprogramm auf, es fraute ohne Ende…und den Raubdruck gab´s ja auch noch…wilde Zeiten…

Blazek&Bergmann, Mühlhausen, Peter Naacher, Die Frankfurter Bücherstube, Carolus, Kohl an der Katharinen Kirche, Landkarten Schwarz u.v.m., manche Buchhandlung auch ein bißchen dünkelhaft… ich vermisse diese Plätze.
Nach Aufenthalt in Berlin kam ich zurück, um eine Lehre als Buchhändlerin bei Peter Naacher zu beginnen. Gute Wahl, inklusive Seckbacher Buchhändler Schule.
Was mich mehr und mehr anzog im Laufe der Jahre, war die Psychologie. Natürlich aus Eigeninteresse, ist ja klar. Ich fand das richtig gut, dass in der Populärliteratur Tabu-Themen aufgegriffen wurden und so, mit Scham Besetztes, in die Öffentlichkeit brachten.
Was für eine Befreiung. Zum Beispiel, „die Krise nach der Geburt“- aha, Muttersein ist doch nicht durchgehend das höchste aller Gefühle oder „Wenn Frauen zu sehr lieben“.
Das Reisefieber in die Innenwelt hatte mich gepackt und führte mich auch in die Esoterik. Es hängt alles miteinander zusammen.


Mein Anliegen

Alles was dazu beiträgt, Menschen aufzuklären für ein eigenständiges Denken, liegt mir am Herzen. Die falsche Scham ist noch nicht vorbei! Wir arbeiten dran bis es vollbracht ist, sag ich.

Das wahre Selbst schämt sich für die Lüge, die so tut als ob und das falsche Selbst tut alles dafür, dass die Tarnung hübsch bleibt.
Die entsprechenden Bücher haben mir gute Dienste geleistet, ein Verständnis für mich zu entwickeln für den gesellschaftlichen und psychologischen Kontext in dem ich lebe…im Kopf. Ich finde es auch in Ordnung, wenn der mentale Bereich gut gefüttert ist. Besser als nichts. Aus meiner Sicht ist es eine fruchtbare Partnerschaft Gelesenes und später Erlebtes oder andersherum, zu emulgieren.

Jetzt arbeite ich nicht mehr im Buchhandel jedoch verstehe ich mich mehr denn je als Buchhändlerin. Als beratende Mittlerin in Sachen Buch. Ich möchte sogar sagen, dass mich die Möglichkeitswelt der Philosophie am meisten interessiert und der Buchhandel ein guter Ort ist, dafür zu wirken. Stichwort: Geistige Tankstellen.

Bücher brauchen Diskurs, Inhalte wollen nochmal geschmeckt werden im Leser. Auch die Frage, wie integriere ich das Gelesene, denn sonst kann ich auch Kartoffeln schälen in der Zeit, das ist dann produktiver.
Also: Was kommt beim Lesen raus? Lesen ist aktiv, eine Tätigkeit,in Beziehung gehen und im tiefsten Sinne des Wortes, Sexualität, denn es kann ein erweitertes Bewusstseinsfeld erzeugt werden.
Bücher über Themen wie Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Tiefenökologie führen direkt zu uns selbst, wenn wir offen dafür sind. Das Maß hierfür ist der Leser, ganz klar.

Hier kreiere ich und ihr, also wir, einen Raum für Austausch, für Empfehlungen, für Fragen, für Antworten, für unsere eigene Stimme, das eigene Tempo, das eigene Leben.

Ich liebe das von Jesper Juul geprägte Wort: Gleichwürdigkeit


Einstimmung

Diese beiden Texte beschreiben in ausführlicher Weise, um was es mir geht in diesem Blog. Sie sind bekannt, das macht nichts. Sie können nicht oft genug gelesen werden, aus meiner Sicht.


Viel Vergnügen beim Lesen.


Masken

MEIN BEKENNTNIS ZUR SELBSTACHTUNG

Ich bin ich selbst.

Es gibt auf der ganzen Welt keinen, der mir vollkommen gleich ist. Es gibt Menschen, die in manchem sind wie ich,
aber niemand ist in allem wie ich.
Deshalb ist alles, was von mir kommt, original mein; ich habe es gewählt.
Alles, was Teil meines Selbst ist, gehört mir – mein Körper und alles, was er tut, mein Geist und meine Seele mit allen dazugehörigen Gedanken und Ideen, meine Augen und alle Bilder, die sie aufnehmen, meine Gefühle, gleich welcher Art: Ärger, Freude, Frustration, Liebe, Enttäuschung, Erregung; mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen, höflich, liebevoll oder barsch, richtig oder falsch, meine Stimme, laut oder sanft, und alles, was ich tue in Beziehung zu anderen und zu mir selbst.

Mir gehören meine Fantasien, meine Träume, meine Hoffnungen und meine Ängste.

Mir gehören alle meine Siege und Erfolge, all mein Versagen und meine Fehler.
Weil alles, was zu mir gehört, mein Besitz ist, kann ich mit allem zutiefst vertraut werden. Wenn ich das werde, kann ich mich liebhaben und kann mit allem, was zu mir gehört, freundlich umgehen. Und dann kann ich möglich machen, dass alle Teile meiner selbst zu meinem Besten zusammenarbeiten.
Ich weiß, dass es manches an mir gibt, was mich verwirrt, und manches, was mir gar nicht bewusst ist. Aber solange ich liebevoll und freundlich mit mir selbst umgehe, kann ich mutig und voll Hoffnung darangehen, Wege durch die Wirrnis zu finden und Neues an mir selbst zu entdecken…
Wie immer ich in einem Augenblick aussehe und mich anhöre, was ich sage und tue,das bin ich. Es ist original (authentisch) und zeigt, wo ich in diesem einen Augenblick stehe. Wenn ich später überdenke, wie ich aussah und mich anhörte, was ich sagte und tat, und wie ich gedacht und gefühlt habe, werde ich vielleicht bei manchem feststellen, dass es nicht ganz passte. Ich kann dann das aufgeben, was nicht passend ist, und behalten, was sich als passend erwies, und ich erfinde etwas Neues für das, was ich aufgegeben habe. Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, reden und handeln. Ich habe damit das Werkzeug, das mir hilft zu überlegen; anderen Menschen nahe zu sein, produktiv zu sein und die Welt mit ihren Menschen und Dingen um mich herum zu begreifen und zu ordnen.Ich gehöre mir, und deshalb kann ich mich lenken und bestimmen.
Ich bin Ich, und ich bin o. k.
(Aus Virginia Satir: „Selbstwert und Kommunikation“, Pfeiffer Verlag)


Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst, und ob du es wagst davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den Kern deines Leidens berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist, oder zusammengezogen und verschlossen, aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern, oder ihn in Ordnung zu bringen.

Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, meiner oder deiner eigenen,
ob du mit Wildheit tanzen und dich von Ekstase füllen lassen kannst bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen, ohne uns zu ermahnen, vorsichtiger zu sein, realistischer zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählt hast, wahr ist.
Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist,
und ob du dein Leben aus SEINER Gegenwart entspringen lassen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem, und trotzdem am Ende eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen, „Ja„.

Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst, und wieviel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen, um dich um die Kinder zu kümmern.

Es interessiert mich nicht wissen, wer du bist, und wie es kommt, dass du hier bist.
Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.
Ich will wissen, ob du alleine mit dir sein kannst, und ob du deine Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich magst.

Oriah Mountain Dreamer/ Die Einladung / Goldmann TB