Frau Schnabel schnaubt…

Frau Schnabel schnaubt…

„…für Sie…Aha, interessant,“ denke ich und es dampft der Kochtopf der Wut in mir. „Seid doch einfach mal ehrlich, ihr Blödmänner.“ denke ich. Viel Zeug was da in mir hochschießt.
Fange ich mal von vorne an, also nicht beim Adam und Eva der Werbung, Verführung, der cheating packs, kenne mer alles. Was seit Langem einen großen Widerwillen in mir auslöst, sind die Hinweise hinter Schaufenstern von diversen Geschäften, die ihre Kunden darüber informieren, daß das Ladengeschäft „für mich“ umgestaltet wird. Ich bin überhaupt nicht gefragt worden und von mir aus kann es so bleiben wie es war. „Für mich“ ist das eine Verdrehung der Tatsachen. Seid doch einfach mal ehrlich! „Unser Verkaufsberater hat uns empfohlen unser Geschäft neu zu organisieren. Angeblich soll uns das einen Mehrumsatz bescheren.“ Oder „ Wir gestalten unsere Geschäftsräume neu, weil uns das besser gefällt. Wir würden uns freuen, wenn es euch auch gefällt.“
Wie geil ist das denn? Da gibt’s ja Menschen, die denken mal an sich, an ihr Wohlergehen und graben nicht ständig an mir herum, was mir angeblich gut tut, die mir einen Gefallen tun.
Tut mir einen Gefallen und gefallt euch gefälligst mal selbst!!!

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

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    Ralf

    Gut beobachtet.
    Zum Thema „Ehrlichkeit“ kommt mir gerade folgende typische Situation im Fernsehen in den Sinn:
    • Reporter(in) interviewt Politiker(in)
    • Reporter will irgendetwas aus dem Politiker herauslocken und provoziert z.B. sinngemäß „da habt ihr Euch ja wieder was geleistet, wie wollt ihr das wieder gradebiegen“
    • Politiker lässt sich darauf nicht ein und antwortet auf eine Frage, die der Reporter gar nicht gestellt hat
    • Reporter ist zunehmend genervt
    • Politiker ist auch genervt, lässt sich das aber nicht anmerken
    • usw.
    • … und dann zum Schluss die Krönung – Reporter und/oder Politiker sagen: „HERZlichen Dank für das Gespräch“
    Da muss ich dann immer innerlich grinsen und denke „GELOGEN“, das kommt garantiert nicht von Herzen. Ob das alle Zuschauer auch so sehen, weiß ich nicht. Zumindest das Unterbewusstsein wird die Diskrepanz bemerken.
    Und wie könnte das anstelle dessen aussehen? Bei einem Nachrichten-Format (nur 1 bis 2 Minuten Zeit für z.T. komplexe Sachverhalte) schwer möglich, könnte man sich also schenken. Was Beide in jedem Fall machen sollten ist, wertschätzend miteinander umzugehen. Das ist m.E. schon die halbe Miete.

    1. Barbara
      Barbara

      Lieber Ralf,
      „gut beobachtet“ kann ich auch schreiben zu deinem Kommentar. Ich schaue mir Sendungen mit politischem Inhalt überhaupt nicht an. Es erreicht mich nicht. Da ist nichts drin. Für mich ist es nur bewegungslose Füllung.
      Das sehe ich auch so wie du, da ist kein Herz dabei und für komplexe Zusammenhänge reicht die Zeit nicht.
      Und jetzt kann ich mich kaum noch zurückhalten:Was mich wirklich mal bewegt hatte, war eine Sendung bei Markus Lanz mit Rainer Langhans darin und Dieter Nuhr. Langhans empfand ich damals als etwas brüchig, obwohl ich ihn weitgehend achte für seinen eigenständigen Weg, das muß mal erstmal bringen. Dieter Nuhr hatte für mich in dieser Sendung wirklich gewonnen, weil er seine Eloquenz einsetzte, das Verdienst Rainer Langhans entschieden zu erläutern. Er hätte ihn auch vernichten können mit der gleichen Eloquenz. So etwas beeindruckt mich.
      Grundsätzlich interessieren mich Politiker überhaupt nicht. Ausnahmen sind Helmut Schmidt und Gregor Gysi, weil sie sicher in ihren jeweiligen Sätteln saßen.
      Mich interessieren eigenständig denkende Menschen,die ihre Popularität nicht berechnen.

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    Lotti(nurnochmanchmal)vegani

    Liebe Frau Schnabel,
    ich versprach´s, ich tu’s.
    Zum Thema „Schnauben“, ich liebe bekanntermaßen die zweite vielleicht andere Sichtweise:
    Die potentiellen U5-Verlängerungs-Nutzer(innen) werden sich denken, wie schön, das ist was für uns die Streckenverlängerung.
    Aber recht hast Du liebe Schnabelline, in aller Regel wird mit Blick auf den Umsatz gearbeitet, auch verbessert, verschönert, geändert. Sind solche Aktionen aber nicht doch zumindest auch gut für uns, jedenfalls solange wir in einer Marktwirtschaft leben. Und ich fürchte, die Umgestalter(innen) müssen sich noch viel mehr ins Zeug legen für uns, damit wir die Städte wieder beleben und künftig weniger onlinefremdgehen.
    Es grüßt herzlich Lotti(nurnochmanchmal)vegani.

    1. Barbara
      Barbara

      Meine liebe Lotti vegani,
      Danke für deinen Kommentar.
      Im Grunde sind wir uns einig.
      Die Ausdrucksweise kann klären oder verdrehen. Wie ich mich ausdrücke, kann und es tut es natürlich, Emotionen im Lesenden oder Bewegungen im Unbewussten erzeugen. „Ach die kümmern sich so gut um mich, wie nett und gut sind doch die Menschen! Ich habe gar nicht an die U5 gedacht…wie umsichtig“ Vorsicht, kann ich da nur sagen. Niemand kümmert sich um dich, wenn du es nicht selbst tust.
      Jemand, die oder der selbstbewusst ist, liest ganz anders und denkt vielleicht: „Kinder, das sind unsere Steuergelder und wir hoffen, dass ihr keinen Mist baut. Schön, dass ihr den Auftrag bekommen habt.“
      Der Text hätte auch lauten können: ;Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir den Auftrag für den Erweiterungsbau der U5 bekommen haben und tun unser Bestes“. Na super!
      Ich fühle mich durch den Text kolonialisiert. Ob es etwas für mich ist, entscheide ich. Wer denn sonst? Es ist an mir, etwas zu honorieren oder nicht. „Ich mach das für dich“ Hilfe, um Gottes Willen, tu´s nicht. Wir sind interagierende Wesen, so oder so.
      Jeder ist sich selbst der Nächste, Lotti, das kannst du drehen und wenden wie du willst. Auch wenn wir den Anderen als den Erfüllungsgehilfen für uns selbst nehmen. Es ist unglaublich, wie tief dieses Schuld-und Ohnmachtsgefühl sitzt, sich um sich selbst zu kümmern. Schade, denn dieses Sich-um-sich-selbst-kümmern entlastet alle Anderen. Und man kann, wenn man ehrlich ist, den Anderen fragen, ob sie oder er bereit ist als Erfüllungshilfe zu dienen. Das ist ne ganz andere Hausnummer.
      Das ist ehrlich und ordentlich aus meiner Sicht.
      Ich glaube nicht daran, daß es erwünscht ist, daß wir eine Stadtbelebung – ich meine nicht dumpfes Konsumieren – erfahren.
      Die Hoffnung: Uns gibt´s auch noch!

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    Weda

    Ich möchte auch nicht, dass Autobahnen für mich ausgebaut werden ohne mich vorher dazu befragt zu haben.

    1. Barbara
      Barbara

      Ganz spontan, liebe Weda, das gefällt mir, was du da schreibst. Damit möchte ich gern weitermachen:
      Ich wollte auch nicht die Einrichtung von 5G. Ich weiß nicht, wofür das gut sein soll und welche Folgen das hat. Naja, wir leiden an den Folgen der Dinge, die wir unbewusst in die Welt gesetzt haben. Danach ist man immer klüger, macht auch nichts, wenn man daraus lernen kann. Dafür braucht es allerdings einen Bewußtseinsraum, in dem Irrtümer genügend Platz finden um sich zur Erkenntnis wandeln zu können.
      Intelligenz in einem kleinen Bewusstseinsraum ist immer gefangen, so sehe ich das. Und Gefangenschaft ist niemals ein guter Zustand.
      Ich erinnere ein Zitat, das Sokrates zugeschrieben wird: „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“.
      Dein Kommentar hat eine Idee bei mir hervorgebracht. Danke!

  4. Barbara
    Barbara

    Ich hab´s schon wieder gesehen…Bäckerei Huck…

    „Wir machen uns für euch hübsch“, soll heißen: Wir renovieren! Da sträubt sich schon beim Lesen dieses Textes mein Gefieder.
    Hallo?
    Meine Haltung ist klar: Direktheit im Ausdruck und Freude an sich selbst ist die größte Freude und zwar für Alle.

    Marcel Reich-Ranicki sagte es u.a. in seiner Dankesrede zum Ludwig-Börne Ehrenpreis:
    “ Ich habe getan, was mir im Leben Spaß gemacht hat.“ Und Spaß hatten wir durch ihn…ich, auf jeden Fall.
    Das ist das Eine.

    „Wir machen uns für euch hübsch“ also wirklich…ich freu mich, wenn dieser miefige Spruch endlich im Nirvana seine Erlösung findet…
    Alles umsonst…arme Simone, Alice, Gloria, Rita Mae, Marilyn(French), Marsha, Melusine, Chimamanda, Lady Gaga, Virginia, Senta, Elke, Pina und die vielen anderen starken, schönen Frauen – Menschen – die diesen Spruch nicht mehr nötig haben, weil sie erkannt worden sind.
    Das ist das Andere.

    Wann hören endlich mal diese manipulativen, armutsvertuschenden „für dich“ – Sprüche auf ?

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