Nachdenkereien – die Zweite

Nachdenkereien – die Zweite

Einer für Alles
Jeden Samstag ist die Zeit von 9:00 bis 12:00 meinem Lieblingsmoderator meines Heimatsenders gewidmet.
Vor einigen Wochen erzählte er ganz munter und wohl gelaunt, dass er sich hat impfen lassen.
Zack, Radio aus, war meine Reaktion. Ich dachte, ich fall` vom Glauben ab.
Mehrere Wochen musste mein Radio schweigen am Samstag.
Jetzt höre ich seine Sendung wieder mit großer Freude.

Was ist passiert ?

Auf der Frankfurter Buchmesse 2019 nahm Denis Scheck eine für mich sehr reife Perspektive ein in Bezug auf die Kritik an der Verleihung des Nobelpreises für Peter Handke.
Er wies darauf hin, dass der Nobelpreis an Peter Handke für sein herausragendes literarisches Werk verliehen wurde.
Er machte sich tatsächlich Luft über das kindliche Verhalten von Menschen, die meinen, dass ein großer Künstler eine schönere Seele, ein besserer Mensch sei,… ein allmächtig Wissender, der seinen Glanz offenbarend in und auf Alles legt.

Eine besondere Fähigkeit in einem Menschen sagt nur bedingt etwas aus über die Qualität der anderen Fähigkeiten in ihm

Dafür könnte ich Herrn Scheck heute noch die Füße küssen. Kein Amt, keine Institution, kein Marketing, kein Politiker, kein Wissenschaftler, keine Technik, kein Lehrer, kein Vorgesetzter, kein Gelehrter, keine Religion, keine Mutter, kein Vater, kein Therapeut, keine Regel, kein Gesetz ist immer frei von Torheit, Irrtum und Begrenzung.

Bewunderung macht blind, wie Verliebtsein, es ist ein leicht hysterischer Zustand

Diese reife Perspektive Scheck`s auf Handke hatte ich nicht, bezogen auf meinen Lieblingsmoderator.
Was ist es denn genau, das mir einen Menschen so sympathisch macht ?
Dieser Frage bin ich nachgegangen und auch fündig geworden. Dann kam noch eine Beobachtung hinzu : Wenn ein Mensch, den ich noch nicht einmal persönlich kenne, so mit meiner Sympathie und Bewunderung überflutet wird für sein spezifisches Können, dann liegt natürlich Einiges unsichtbar unter Wasser.
Bei mir selbst und bei dem auf den ich projiziere.

Woher kommt das nur, diese Neigung, jemanden für seine oder ihre Besonderheit, eine universale Omnipotenz zuzuschreiben ?

Einer für Alles…ist es die Trägheit des Herzens, des Denkens, Undifferenziertheit und kein Gespür für sich selbst…patriarchische Strukturen im Elternhaus ?

Oder kommt es aus dem Gedanken: Wenn Du es tust, muss ich es nicht tun. Tu Du es für mich.
Auf einer ganz tiefen Ebene ist alles Leben eins. Auf dieser Ebene könnte man sagen, ja, so isses aber auf dieser
Ebene gibt’ s auch kein Du und kein Ich ergo keine Bewunderung.
Wie so vieles wird es eine Melange aus allem sein.

Zum Schluss eine Geschichte:

Wir wanderten im Wald. Ein Mann, der damals einen beträchtlichen Eindruck auf mich machte und ich. Unser Gespräch berührte ein Thema, dass mich lange Zeit noch beschäftigte.
So eine intensive Begegnung….
Jahre später sprach ich ihn auf diese „intensive Begegnung“ an. Er guckte mich bloß groß an : Wann, wo soll das gewesen sein…kann ich mich nicht dran erinnern…

So kann man sich irren…


Was sind denn deine Gedanken zu diesem Thema, das interessiert mich.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Silvia

    Liebe Barbara!
    Die Antworten liegen alle ganz tief in uns selbst verborgen.Es geht immer nur um das eigene Aktive Tun,aber ist es nicht allzu menschlich einem Anderen auch mal die Verantwortung für sein Denken übergeben zu wollen?
    Natürlich kommt man damit nie wirklich durch,aber man versucht es,manchmal auch unterbewusst,immer wieder mal.
    Ja,das mit dem
    „Wann und wo soll das denn gewesen sein?“ kenne ich selbst zu gut.
    Aber worauf es einzig und allein ankommt ist doch letztendlich nur,dass man selbst dieses grosse tiefe Aufeinandertreffen zweier Seelen gespürt hat,oder?Oft geht es in einer Beziehung garnicht um das Gemeinsame,Vereinigende,sondern nur um die tiefe herzerschütternde eigene Erfahrung!
    Nicht jeder Partner besitzt dieTiefe diesen Gleichklang zu empfangen,trotzdem kann jedes Gegenüber dir dieses grosse Geschenk machen,leider oft ohne dies selbst spüren zu können.Der grosse Reichtum liegt aber immer ganz tief in einem selbst verborgen,und nicht auf der Ebene des Gegenüber!
    Super Blog,liebe Barbara,bitte gib uns mehr davon!

    1. Barbara

      Liebe Silvia,
      das zeugt von großer Tiefe was du hier schreibst, finde ich. Später werde ich nochmal auf dein Geschriebenes genauer eingehen.
      Würdigen möchte ich Deine fruchtbare Einlassung jetzt schon….bin halt a bissi ungeduldig….

  2. Aivlis

    Back to childhood-zurück in die Kindheit,
    wie geht das? Das war mir gar nicht klar, bis gestern, als ich genau dorthin zurückkehren durfte. Es waren 20 Minuten, die ich mich erinnern durfte, mit all meinen Sinnen.
    Es fing mit einem unspektakulären Spaziergang auf einem Feldweg an. Plötzlich fühlte ich mich total eingebunden in meine Umwelt. Ich war Teil des gesamten Geschehens. Es roch nach feuchter Erde, die Blumen leuchteten in allen Farben des Regenbogens + dufteten unbeschreiblich gut. Ich konnte die unterschiedlichsten Geräusche wahrnehmen, summende Bienen, viele verschiedene total bunt durcheinander singende Vögel, muhende Kühe, die sich neugierig und aufgeschlossen anschauten wer da des Weges kam. Ich konnte den Lehmboden unter meinen Fussssohlen spüren + war direkt verbunden mit Gaia, der Mutter Erde, die mich sanft umgarnend in ihre liebevollen Arme schloss. Dieses Gefühl kannte ich so genau aus meinen Kindheitstagen. Es war viele lange Jahre in Vergessenheit geraten und gestern war es wieder da!!!Dieses Erlebnis, was mein ganzes Sein auf tiefster Ebene ergriff, ist für mich das Zeichen, dass wir alle Teil des Großen Ganzen Universums sind. Alles ist miteinanderverbunden-alles ist Eins-
    Universal Oneness***
    Wenn ich in die Augen meines Gegenübers schaue, erkenne ich letztendlich nur mich selbst in ihm und er sich in mir.

    1. Barbara

      Liebe Aivlis,
      …jetzt muss ich´s nochmal schreiben…mein Kommentar ist im space des Netzes verloren gegangen…

      Besonders, was Du da beschreibst. Vor vielen Jahren hatte ich auch so ein Erlebnis der grenzenlosen Verbundenheit im sogenannten Außen, in meinem Körper gespürt. Ein tiefer Atem, tiefer als meine Körpergrenzen, löste sich in mir…ich hätte auch sterben können, so tief war der Atemzug.
      Ich bezeichnete es als ein tantrisches Erleben.
      Was auch immer es sei, es ist eine Realität.
      Schön, dass du dein Erleben mit deiner Kindheit verbinden kannst, es auch dort finden kannst. Der Titel „Die Frequenz der Ekstase“ von Chris Griscom fällt mir dazu ein. Im Grunde ist es ein Tanz des Seins im Körper eines Menschen. Die meisten Menschen sind so erstarrt, dass sich dieses tanzende Leben in ihnen nicht ereignen kann.
      Ich tanze auch noch nicht, jedoch nähere ich mich diesem Rhythmus wieder an.
      Indem wir unseren Körper von seiner Kadaver-Taubheit befreien durch Atmung, Ernährung, Bewegung und besonders durch tiefe Stille-Erfahrung, können diese Seins-Erfahrungen wieder eintreten, aus meiner Sicht.
      Aivanhov empfiehlt in dem Büchlein „Die Atmung“, so zu atmen wie das Universum, John de Ruiter spricht von einem „tension free univers“ von „ the nervous system belongs to the being“ und Graf Dürckheim beschreibt in seinem Buch „Hara – Die Erdmitte“ wie sich Körper/Geist/Seele als Gesamtheit im Form-Aspekt ausdrücken können. Ach Gott, es gibt so viel zu wissen….
      Danke für dein mit uns geteiltes Erleben, ich finde es sehr schön beschrieben.

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