Kinski, der Polarisierende

Kinski, der Polarisierende

Also….
Es ist so, an meinem Bett liegen immer mehrere Bücher. Im Moment sind es fünf.
Arno Gruen – Der Wahnsinn der Normalität
Patanjali – Die Wurzeln des Yoga
Charles Eisenstein – Ökonomie der Verbundenheit
Yogananda, die Autobiographie
Klaus Kinski – Ich brauche Liebe

Über Letzteres möchte ich jetzt schreiben. Nicht über das Buch allein, sondern darüber, was es in mir ausgelöst hat.
Den Titel habe ich gefunden in einem der Frankfurter Bücherschränke. Kinski, der Polarisierende.
Ich brauche Liebe „Wie ehrlich ist das denn ?“ rührte es mich an. Auf dem rückwärtigen Buchumschlag ist ein Auszug eines Briefes an Kinski abgedruckt. Dies Ganze hat mich gerockt, bewegt.

Kinski, der Polarisierende

In dem Buch blättere ich immer so rum – bibliomantisch, zufallsgeneratorisch – und lese dann mehrere Seiten. Es wird nur gevögelt. Wer sich über Sex ausnüchtern will, muss nur dieses Buch lesen. Keine Lust for ever.
Jedenfalls mir geht’s so.

Warum bleib´ ich dran ?

Es ist total ehrlich, schmerzhaft ehrlich und da ist auch etwas ganz Feines, Fühlendes, Wahrnehmendes und Wahrhaftiges in den Zeilen zu spüren. Dieser Mann hat die Essenz für ein wahrhaftiges, soziales Leben, denke ich… und spüre, da ist etwas Grundgutes in ihm, dass er in seinem Nervensystem nicht halten kann. Es ist für mich fast schmerzhaft zu lesen, wie er mit seinen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln immer wieder in die Ekstase und in die Verbindung gehen will. Das sind allerdings nur kurzfristige Momente. Wenn er keinen Körper hätte, ich frage mich, was dann geschähe… er hat das Zeug zum Tantriker denke ich, aber das ist eine ganz andere Hausnummer.
An einer Stelle dieses Buches sagt er: „Ich habe keine Angst.“ Diesen Satz glaube ich keinem Menschen aber ihm glaube ich das. Der hat so viel Lebenskraft, die nicht mehr zurückgehalten werden kann und er ist auch nicht wirklich schwierig sondern er hat keine Angst vor Konflikten. Da gibt es etwas in ihm, dass ist komplett frei und die Menschen, die das spüren, lieben ihn dafür und die Menschen, die das auch spüren, jedoch unbewusst wissen, dass ihre Energie wie ein armseliger Bettler, kontaktlos irgendwo in ihnen dahindämmert, hassen ihn.
Es gibt in diesem Buch einige anrührende, verbindende Szenen z.B. er ist noch verheiratet mit seiner Frau Biggi, die er liebt und hat gleichzeitig eine Beziehung zu einer anderen Frau, die er auch liebt. Weil er nicht anders kann, weil er sich selbst ausgeliefert ist, offenbart er sich seiner Frau. Weil er liebt…in seinen Verhältnissen, natürlich. Das alles geschieht glaube ich, in den 60ziger und 70ziger, in einer Zeit, in der der Ehevertrag die Besitzrechte am Anderen regelte und beschloss.
Das ist bis heute noch so aber mittlerweile sind wir als Gesellschaft etwas mehr aufgeklärt.
In dem Film „Herr der Gezeiten“ gibt es einen Satz, der nicht die letzte Wahrheit ist für mich, der aber eine Differenziertheit und Verfeinerung zum Ausdruck bringt.
Ein Mann sagt zu seiner Geliebten sinngemäß, dass er sie liebt wie er seine Ehefrau liebt.
Es gibt nur einen Unterschied: er liebt seine Frau schon länger… wunderschön…
Heute habe ich Kinski´s Buch weggelegt an der Stelle, als er mit Pola -13 Jahre- schläft. Eine Tochter von ihm heißt Pola und soweit ich weiß, ist sie es, aber 13 Jahre reichen um mich abzuwenden.
GEHT GARNICHT, da kenne ich kein Erbarmen.
Nur dieses Mal habe ich gesehen, dass eine Gesellschaft, die so pervers ist wie die unsrige, die Fühlen, Spüren und Wahrnehmen verbietet durch Regeln und Standardisierungen, dass so eine konditionierte Gesellschaft nichts anderes hervorbringen kann als Perversion.

Perversion erzeugt Perversion

Wir leben in einer Gesellschaft, weltweit, ohne jedes Mitgefühl. Das ist schon ewig so, nix Neues. Für mich ist Mitgefühl keine piepsige Stimme, keine bedauernde Mimik, keine leeren Beileidsbekundungen, keine aufgesetzte Freundlichkeit. Es ist mehr ein Bezeugen und Betroffensein von dem was ich als Verdrehung und großer Not erkenne…in mir und im anderen Lebewesen.

Momentan fallen die Potemkinschen Fassaden der angemaßten Autoritäten zusammen, das äußere Bild schliert ab

und dahinter wird sichtbar, was sich bisher verborgen hielt. Unter anderem wird jetzt von unterirdischen Verließen gesprochen, in denen Kinder gezüchtet werden…ich möchte dem nicht weiter nachgehen…es ist furchtbar.
Natürlich glaube ich das, ich bin Barbara und nicht Schneewittchen. Dadurch, dass ich mit vielen unterschiedlichen Menschen Kontakt habe, ist mir schon einiges berichtet worden aus der Domina- und Callboy-Szene, die ihre finanzkräftigen „Kunden“ erniedrigen müssen, damit diese überhaupt mal wieder etwas fühlen, es darf auch Schmerz sein oder Menschen, die Koks schniefen, damit sie länger ficken können.
Es gibt ein Darknet, es gibt Kinderpornographie und viele andere Sklavereien, damit wird sehr viel Geld gemacht. Und weil es das gibt, gibt es auch noch Schrecklicheres

Nicht Fühlen ist schrecklich.

WÄHRET DEN ANFÄNGEN, heißt es, aber das hier – und ich meine unsere gegenwärtige Situation – sind keine Anfänge mehr. Es ist voll am Laufen.

Auf dem Konstabler Wochenmarkt lernte ich eine wohlsituierte, gebildete, beherzte Dame kennen. Sie erzählte mir ein paar Anekdoten aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer sozialen Hilfsorganisation, ihre Einblicke in familiäre Verhältnisse. Alles in mir wollte das nicht glauben, was sie mir erzählte und ich weiß, dass es wahr ist. Ziemlich abschäumig…aber ich muss die Frage stellen :

Wer gestattet das und für wen ist es gut, dass Menschen innerlich und äußerlich so komplett verkommen und zwar wissentlich ?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ingo

    Super dein Kinski-Beitrag …. mit vielen persönlichen Facetten. 5 Sterne !!!
    Ich habe mich auch schon vor längerer Zeit mit ihm beschäftigt. Ein Mann mit starken Gefühlen und vielen Widersprüchen … ein in sich Zerrissener.

    Nur das mit dem Darknet wäre mir zu allgemein. Natürlich gibt es dort dunkle Ecken – „wo Licht ist , ist auch Schatten“. Drogendealer, Waffenhändler und Kinderpornographie gibt es auch außerhalb des Darknet …. und die müssen wir auch ablehnen und verurteilen.

    Aber andererseits steckt zu viel Nützliches drin, was wir zukünftig mehr benötigen.

    In diktatorischen Systemen würden wohl 1000ende mehr im Gefängnis sitzen, wenn es das Darknet nicht gäbe. Meinungsfreiheit, Friedensbewegungen, Whistleblower u.v.a. kommen ohne Darknet heutzutage nicht mehr aus.

    Aber soweit müssen wir überhaupt nicht schauen. Selbst in unserem Land ist Meinungsfreiheit und Anonymität mehr und mehr in Gefahr.

    1. Barbara

      Danke Ingo für deinen Input. Aufklärung in Bezug auf mich und auf alles was mich umgibt und dessen ich mehr oder weniger gewahr bin, steht an erster Stelle in meinem Leben…auch wenn es sich nicht immer angenehm anfühlt…
      Heute morgen, nach dem Lesen deines Kommentars, hab ich sofort Darknet gebrowsert und bin auch fündig geworden. Sehr interessant…Clear, Deep und Darknet sind dort als Begriffe aufgetaucht…das steht ja analog zur geistigen Welt.
      Du hast mit deinem Kommentar genau das erfüllt um was es hier gehen soll: Aufklärung! Danke, davon wünsche ich mir mehr.

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